wege erleben

Renate Dyck

Worte des Monats

 

Frühling

 

Sonne. Und noch ein bisschen aufgetauter Schnee
Und Wasser, das von allen Dächern tropft,
und dann ein bloßer Absatz, welcher klopft,
und Straßen, die in nasser Glattheit glänzen,
und Gräser, welche hinter hohen Fenzen
dastehen, wie ein halbverscheuchtes Reh ...

 

Himmel. Und milder, warmer Regen, welcher fällt,
und dann ein Hund, der sinn- und grundlos bellt,
ein Mantel, welcher offen weht,
ein dünnes Kleid, das wie ein Lachen steht,
in einer Kinderhand ein bisschen nasser Schnee
und in den Augen Warten auf den ersten Klee ...

 

Frühling. Die Bäume sind erst jetzt ganz kahl
Und jeder Strauch ist wie ein weicher Schall
Als erste Nachricht von dem neuen Glück.
Und morgen kehren Schwalben auch zurück.

 

Selma Meerbaum – Eisinger
Ich bin in Sehnsucht eingehüllt
Gedichte
Hrsg. Jürgen Serke
© Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 1980
 


 

 

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