wege erleben

Renate Dyck

Worte des Monats

Kastanien

 

Auf dem glatten hellen Wege

liegen sie, verstreut und müde,

braun und lächelnd wie ein weicher Mund,

voll und glänzend, lieb und rund,

hör´ ich sie wie perlende Etüde.

 

Wie ich eine nehme und in meine Hand sie lege,

sanft und zärtelnd wie ein kleines Kind,

denk´ ich an den Baum und an den Wind,

wie er leise durch die Blätter sang,

und wie den Kastanien dieses weiche Lied

sein muß wie der Sommer, der unmerklich schied,

nur als letzten Abschied lassend diesen Klang.

 

Und die eine hier in meiner Hand

Ist nicht braun und glänzend wie die andern,

sie ist matt und schläfrig wie der Sand,

der mit ihr durch meine Finger rollt.

Langsam, Schritt für Schritt, wie ungewollt

Laß´ ich meine Füße weiter wandern.

 

                                                                  23.9.1939

 

© Selma Meerbaum – Eisinger

Hrsg.: Jürgen Serke

Aus: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt

Gedichte

Hoffmann und Campe

 

      


 

 

 

 

 

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